
Steht Ihr Gebäude in einem Überschwemmungs- oder Hochwasserrisikogebiet, gelten für Ihre Heizölverbraucheranlage deutlich verschärfte Anforderungen. Bei einer Überflutung darf kein Öl austreten — und ein aufschwimmender Tank verursacht eine der schwersten Gewässerverunreinigungen überhaupt. Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und AwSV verlangen daher eine hochwassersichere Aufstellung mit Auftriebssicherung, druckstabilem Behälter und gesicherten Öffnungen. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Ihre Betroffenheit feststellen, welche Pflichten greifen und worauf es bei der Nachrüstung ankommt.
Maßgeblich ist nicht das subjektive Empfinden, sondern die behördliche Einstufung Ihres Grundstücks. Der Gesetzgeber unterscheidet zwei Kategorien, die unterschiedliche Pflichten auslösen:
Ob Ihr Grundstück betroffen ist, lässt sich über die amtlichen Karten der Landesbehörden ermitteln. Hochwassergefahrenkarten zeigen Ausdehnung und zu erwartende Wassertiefe je Szenario; Hochwasserrisikokarten ergänzen die Nutzung und Betroffenheit. In Nordrhein-Westfalen steht hierfür das Portal ELWAS bereit. Verbindliche Auskunft über die konkrete Einstufung und die maßgebliche Überflutungshöhe erteilt zudem die untere Wasserbehörde, die meist beim Kreis oder der kreisfreien Stadt angesiedelt ist.
Liegt für Ihren Standort keine spezifische Überflutungshöhe vor, muss die Anlage rechnerisch für eine vollständige Überflutung des Aufstellraums — bis zur Kellerdecke — ausgelegt werden. Das ist der ungünstigste, aber sicherste Bemessungsfall.
Eine Heizölverbraucheranlage gilt als hochwassersicher, wenn auch bei einer Überflutung weder Öl austritt noch Wasser eindringt. Die allgemein anerkannten Regeln der Technik, insbesondere die TRwS 791, konkretisieren vier Anforderungen:
In der Praxis erfordert die Verankerung meist einen statischen Nachweis, sofern die Auftriebssicherung nicht bereits durch die Bauartzulassung des Tanks abgedeckt ist. Ob ein vorhandener Behälter überhaupt verankert werden kann, hängt stark von der Bauart ab — bei Kunststoff-Batterietankanlagen ist das ohne spezielle Zulassung häufig nicht möglich.
Die konstruktive Umsetzung der Auftriebssicherung hängt von der Aufstellsituation ab. Bei oberirdischen Tanks im Keller wird der Auftrieb in der Regel über eine Verankerung an der Kellerdecke oder am Fundament aufgenommen — dazu muss die tragende Konstruktion die rechnerischen Haltekräfte sicher aufnehmen können. Ein verstärkter Boden beziehungsweise ein ausreichend dimensioniertes Fundament ist dabei oft Voraussetzung, weil die Verankerungspunkte erhebliche Zugkräfte übertragen müssen.
Besonders sensibel sind unterirdische Tanks: Ein erdgedeckter Behälter ist bei gesättigtem Boden und ansteigendem Grundwasser ohnehin auftriebsgefährdet, im Hochwasserfall verschärft sich dies. Hier sind Verankerungen am Fundament oder eine ausreichende Erdüberdeckung mit nachgewiesenem Sicherheitsbeiwert üblich. Für unterirdische Anlagen gelten zudem die kürzeren Prüfintervalle.
Wichtig: Eine fachgerechte Auftriebssicherung ist keine Standardmaßnahme von der Stange. Sie muss zur konkreten Bauart, zum Aufstellraum und zur maßgeblichen Überflutungshöhe passen. Eine belastbare Aussage zu Machbarkeit und Aufwand ist erst nach Sichtung der Anlage vor Ort möglich.
Die untere Wasserbehörde ist die zentrale Stelle für alle Fragen rund um Tankanlagen in Hochwassergebieten. Folgende Punkte sind zu beachten:
Die untere Wasserbehörde kann darüber hinaus Nachrüstungen anordnen, wenn eine bestehende Anlage nicht den aktuellen Sicherheitsstandards entspricht. Eine frühzeitige Abstimmung erspart spätere Konflikte.
Auch bestehende Anlagen sind nicht von Bestandsschutz umfasst, sondern müssen hochwassersicher nachgerüstet werden:
In festgesetzten oder vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebieten gelten zudem verschärfte Sachverständigen-Prüfpflichten — vergleichbar mit Wasserschutzgebieten. Oberirdische Anlagen über 1.000 Liter werden hier wiederkehrend geprüft, unterirdische Anlagen in kürzeren Intervallen. Diese formale Prüfung führt stets ein externer, neutraler Sachverständiger durch. Als nach AwSV zertifizierter Fachbetrieb übernehmen wir die fachgerechte Nachrüstung, Auftriebssicherung und Dokumentation und bereiten Ihre Anlage auf die Prüfung vor. Welche Pflichten Sie als Eigentümer im Detail treffen, lesen Sie in unserem Ratgeber zu den Betreiberpflichten.
Nutzen Sie die amtlichen Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten Ihres Bundeslandes — in Nordrhein-Westfalen das Portal ELWAS. Dort sehen Sie, ob Ihr Grundstück bei einem HQ100 (Überschwemmungsgebiet) oder erst bei einem Extremereignis (Risikogebiet) überflutet wird. Verbindliche Auskunft über die Einstufung und die maßgebliche Überflutungshöhe gibt die untere Wasserbehörde.
Ein leerer oder teilgefüllter Tank hat im Wasser starken Auftrieb und kann aufschwimmen, Leitungen abreißen und sich entleeren. Die Auftriebssicherung verankert oder belastet den Behälter so, dass er bei der maßgeblichen Überflutung seine Lage hält. Gefordert ist nach TRwS 791 ein Sicherheitsbeiwert von 1,30 — die Haltekräfte müssen den Auftrieb um 30 Prozent übersteigen. Meist ist dafür ein statischer Nachweis nötig.
Im festgesetzten Überschwemmungsgebiet ist die Errichtung neuer Heizölverbraucheranlagen nach § 78c WHG grundsätzlich verboten. Die untere Wasserbehörde kann eine Ausnahme zulassen, wenn keine wirtschaftlich vertretbare Alternative wie Gas, Fernwärme oder Wärmepumpe verfügbar ist und die Anlage hochwassersicher errichtet wird. In Risikogebieten ist der Einbau bei hochwassersicherer Ausführung zulässig.
Eine seriöse Aussage ist erst nach Sichtung der Anlage vor Ort möglich. Die Kosten hängen von Bauart und Aufstellsituation des Tanks, der maßgeblichen Überflutungshöhe, dem erforderlichen statischen Nachweis und der konstruktiven Lösung für Verankerung und Öffnungssicherung ab. Bei manchen Kunststoff-Batterietanks ist eine Verankerung ohne spezielle Zulassung nicht möglich, sodass ein Austausch zu prüfen ist.
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